GFM

»Den Bordstein erzählen lassen«, das ist die Vision von GFM. Sein Sound ist ungemütlich, die Aura flächendeckend bedrohlich. Dank seiner tiefen und mittels ihrer enormen Kraft biegsamen Stimme ist GFM jederzeit in der Lage, seine Skills vielseitig einzusetzen: Neben klassischem Boom-Bap-Straßensound versucht er sich gerne auch auf an modernen Dancehall angelehnten Vibe. Fast immer, und das ist wirklich erstaunlich, krönt er seine Tracks mit ungemein eingängigen Hooks, in denen er auch den Gesang nicht scheut. Ist sein Sound zumeist melodramatisch und bedrückend, schafft er es dennoch, auch tanzbare Tracks zu kreieren. GFM selbst findet, seine Musik sei »zu fresh für die traditionelle, steife Oldschool-Schiene, aber trotzdem zu hart und Oldschool für diese ganze Newschool-Scheiße«. Eine (wenn auch verkürzt formulierte) Tatsache, die sich nicht zuletzt durch seine eigene Geschichte herleiten lässt …

Furkan Maçka wird 1996 im nordrhein-westfälischen Duisburg geboren. Seine Eltern stammen aus der Türkei, sind als Gastarbeiter in den Ruhrpott gekommen und haben neben ihm noch zwei jüngere Töchter auf die Welt gebracht. Die Familie lebt im Stadtteil Rheinhausen, einem multikulturell geprägten Problemviertel im Duisburger Westen. Furkan passt sich der Selbstjustiz im sozialen Brennpunkt schon in jungen Jahren an, trägt schon früh ein Messer in der Tasche. Schon im Kindergarten wollen hier alle Gangster sein, weshalb er sich, lange bevor er das Schreiben zu lernen beginnt, als »Gangster Furkan Maçka«, kurz »GFM« figuriert.

Kaum beginnt die Schulzeit, eröffnet sich ein neuer Krisenherd: Furkan ist hyperaktiv und schreibt schlechte Noten, weshalb fast täglich Lehrer auf dem Haustelefon anrufen oder blaue Briefe in seinem Elternhaus einflattern. Er ist frustriert, fliegt mehrmals von Schulen und verbringt die Nachmittage auf der Straße, die ihm wiederum die ersten Probleme mit der Polizei beschert.

Furkan beginnt bereits in seiner Kindheit damit, Rap zu hören. HipHop gibt ihm die Identifikationsfläche, nach der er lange Jahre vergeblich gesucht hatte: »In der Gegend waren Stiche, Abschiebungen und Überfälle an der Tagesordnung. Ich fand es cool und faszinierend, wenn all diese Dinge auf Musik reflektiert wurden«, legt er aus heutiger Perspektive dar. Bald interessiert er sich nur noch für Rap, kauft Alben, die er am Computer hoch -und runterhört. Die Songs analysiert er akribisch, die Texte rappt er auswendig mit. Zunehmend stören ihn einzelne Ausdrucksweisen der großen Helden, was ihn dazu veranlasst, Textpassagen von Savas oder Azad umzuformulieren. Irgendwann sitzt er vor einem völlig leeren Textblatt: Inspiriert vom farblosen Setting seiner Hood ist er plötzlich selbst Rapper, schreibt sich den Frust von der Seele und nimmt erste Skizzen auf. Schon die ersten Tracks werden in Rheinhausen gefeiert.

Furkans Freund Syk erzählt ihm im Herbst 2016 von #Raptags, wodurch GFM seinen Weg zu Chapter ONE fand.

 

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